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Wenn Nähe plötzlich schwierig wird

Welche Bedürfnisse haben wir eigentlich wirklich?

 

Manchmal beginnt eine Beziehung ganz leicht. Wir wollen einander sehen, hören, berühren, verstehen. Wir fühlen uns gesehen und angekommen.

Und irgendwann verändert sich etwas.

Gespräche werden schwieriger. Einer zieht sich zurück, der andere sucht noch mehr Nähe. Aus einem kleinen Anlass entsteht ein großer Streit. Und beide fragen sich: Wie sind wir eigentlich hier gelandet?

Oft streiten wir dann nicht wirklich über das, worüber wir gerade sprechen. Hinter dem Streit liegen tiefere Bedürfnisse: gesehen werden, verstanden werden, wichtig sein, Sicherheit spüren und emotional miteinander verbunden bleiben.

Wenn diese Bedürfnisse lange unerfüllt bleiben, entstehen Verletzungen. Und aus Verletzungen entstehen Schutzmechanismen.

Der eine geht auf Abstand. Der andere versucht noch stärker, die Verbindung herzustellen.

So entsteht ein Kreislauf, in dem sich beide immer weniger erreichen.

Der erste Schritt heraus ist nicht, den anderen zu verändern. Es ist, zu verstehen, was zwischen uns passiert.

Vielleicht beginnt genau dort wieder etwas Neues: Verbindung.

Liebe braucht mehr als Gefühl

Beziehungs-Basics: Das Fundament einer guten Liebesbeziehung

Was braucht eine Liebesbeziehung eigentlich, damit sie wirklich tragen kann?

Für mich beginnt die Antwort mit etwas ganz Grundsätzlichem: Vertrauen.

Vertrauen ist die absolute Basis jeder Beziehung – egal, ob es um Familie, Freundschaft, eine Liebesbeziehung, eine Geschäftsbeziehung oder sogar die Beziehung zu einem Tier geht.

Ich stelle mir Vertrauen deshalb gerne wie das Fundament eines Hauses vor.

Das Fundament: Vertrauen

Vertrauen beginnt schon ganz am Anfang unseres Lebens.

Ein neugeborenes Baby kann natürlich noch nicht bewusst denken: „Ich vertraue meiner Mutter.“ Und doch braucht es genau dieses grundlegende Vertrauen. Es muss darauf vertrauen können, dass jemand da ist, es versorgt, schützt und auf seine Bedürfnisse reagiert.

Auf dieser ersten Erfahrung kann Bindung entstehen.

Später kommen viele weitere Erfahrungen dazu. Vielleicht haben wir in unserer Kindheit keine sichere Bindung erlebt. Vielleicht wurden wir enttäuscht, verlassen oder nicht ausreichend gesehen. Vielleicht haben wir in der Schule oder beim Sport Mobbing erlebt. Vielleicht haben wir in einer früheren Partnerschaft schlechte Erfahrungen gemacht.

All das kann beeinflussen, wie leicht oder schwer es uns später fällt, einem anderen Menschen zu vertrauen.

Und manchmal fehlt nicht nur das Vertrauen in den anderen, sondern auch das Vertrauen in uns selbst.

Das kann eine schwierige Ausgangssituation für eine Partnerschaft sein.

Aber Vertrauen ist nichts, was entweder da ist oder nicht da ist. Es kann wachsen. Wir können lernen, anderen Menschen wieder Vertrauen zu schenken, ohne dabei naiv zu werden. Und wir können lernen, uns selbst mehr zu vertrauen.

Genau das sind Themen, die in der Paartherapie und auch in der Gesprächstherapie eine wichtige Rolle spielen können.

Denn wenn das Fundament nicht trägt, wird es schwierig, darauf ein stabiles Beziehungshaus zu bauen.

Die erste Säule: Verstehen und verstanden werden

Auf diesem Fundament stehen für mich zwei wesentliche Säulen.

Die erste Säule ist Verstehen und verstanden werden. Sehen und gesehen werden. Hören und gehört werden.

Es geht um Kommunikation – aber eigentlich um noch viel mehr.

Denn wir kommunizieren nicht nur mit Worten. Wir kommunizieren mit unserem Gesicht, unserem Körper, unserer Stimme, unserer Haltung und über Berührung. Wir nehmen einen Menschen mit all unseren Sinnen wahr.

Manchmal begegnet uns jemand und wir spüren sofort: Da ist etwas. Ich fühle mich wohl mit diesem Menschen.

Auch das gehört für mich zu Beziehung.

Natürlich braucht eine gute Beziehung trotzdem grundlegende Kommunikationsfähigkeiten. Und vor allem braucht sie den Willen, miteinander zu reden.

Nicht nur über Sachthemen.

Nicht nur darüber, wer die Kinder abholt, was eingekauft werden muss oder wann der nächste Arzttermin ist.

Sondern über das, was zwischen zwei Menschen wirklich passiert:

Wie geht es dir?
Was brauchst du?
Was wünschst du dir?
Was beschäftigt dich?
Was tut dir gut?
Was tut dir weh?

Und genauso wichtig:

Was brauche ich?

Ich darf meine Bedürfnisse wahrnehmen und benennen. Und ich darf darauf vertrauen, dass mein Gegenüber mir zuhört – auch wenn er oder sie nicht jeden Wunsch erfüllen kann.

In meiner Praxis erlebe ich sehr häufig, dass Paare genau das nicht mehr tun. Sie haben ihre Kommunikation nicht gepflegt. Sie haben nicht gelernt, über Konflikte zu sprechen. Oder sie sprechen zwar miteinander, aber hauptsächlich über den Alltag.

Beziehung braucht deshalb Zeit.

Und dabei geht es gar nicht unbedingt um viel Zeit.

Es geht um konkrete, bewusste Zeit füreinander.

Zeit, in der wir uns wirklich begegnen.

Die zweite Säule: Körperlichkeit und Sexualität

Die zweite Säule ist die Körperlichkeit und Sexualität.

Wir Menschen sind körperliche Wesen. Und wir sind auch sexuelle Wesen – unabhängig davon, ob wir Sexualität leben oder nicht.

Körperlichkeit beginnt nämlich nicht erst beim Sex.

Sie beginnt mit einer Berührung. Mit Händchenhalten. Einer Umarmung. Kuscheln. Streicheln. Küssen. Sich aneinanderlehnen. Sich gerne nahe sein.

Und natürlich gehört auch die Sexualität dazu.

Gerade diese Ebene ist in vielen Beziehungen irgendwann sehr eingeschränkt.

Manchmal gibt es nur noch wenig Berührung. Manchmal gibt es Sexualität, aber keine wirkliche Zärtlichkeit. Manchmal findet überhaupt keine Sexualität mehr statt. Und manchmal ist die Sexualität zwar vorhanden, aber einseitig oder für einen der beiden Partner nicht wirklich befriedigend.

Auch hier kann es sehr unterschiedliche Gründe geben.

Schlechte Erfahrungen. Scham. Erziehung und Moralvorstellungen. Körperliche Veränderungen. Unterschiedliche Bedürfnisse. Verletzungen. Oder schlicht die Tatsache, dass sich zwei Menschen im Laufe einer langen Beziehung verändern.

Und auch darüber muss gesprochen werden können.

Nicht mit der Frage:

„Was stimmt mit uns nicht?“

Sondern eher:

„Was ist zwischen uns passiert – und was brauchen wir heute?“

Und daraus entsteht Liebe

Und jetzt kommt für mich das Entscheidende.

Liebe ist in meinem Modell nicht einfach eine dritte Säule. Liebe entsteht aus dem Zusammenspiel.

Wenn Vertrauen als Fundament vorhanden ist und die beiden Säulen tragen – wenn wir uns verstehen und verstanden fühlen, wenn wir uns sehen und gesehen fühlen, wenn wir miteinander sprechen und wirklich in Kontakt sind und wenn auch die körperliche Ebene lebendig und stimmig ist –, dann entsteht dazwischen etwas.

Ein Raum für Liebe.

Liebe ist dann nicht nur ein Gefühl, das über uns kommt.

Sie kann sich in der Beziehung entwickeln und immer wieder neu zeigen.

Natürlich kann man auf ganz unterschiedliche Arten lieben. Eltern lieben ihre Kinder, Menschen lieben ihre Freunde, wir können Tiere lieben. Aber Beziehungsliebe braucht einen Raum, in dem zwei Menschen sich wirklich begegnen können.

Und genau deshalb ist dieses Bild für mich so hilfreich:

Vertrauen ist das Fundament.
Verstehen und Kommunikation sind die eine Säule.
Körperlichkeit und Sexualität sind die andere Säule.
Und aus diesem Zusammenspiel kann Liebe entstehen.

Das ist für mich die absolute Basis einer Liebesbeziehung.

Eigentlich ist das schon eine ganze Menge.

Und dann kommt das Leben.

Denn das Märchen erzählt uns:

„Der Prinz hat die Prinzessin bekommen, sie reiten gemeinsam ins Schloss – und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

Nur: Für ein Paar beginnt die eigentliche Geschichte genau dort.

Im nächsten Blogbeitrag erzähle ich Ihnen, was passiert, wenn das Leben in dieses Beziehungshaus einzieht.

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